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Freitag, 26. Mai 2017

LIFE UPDATE | Endlich pillenfrei - die ersten Wochen danach




»If you listen to your body when it whispers, you won't have to wait to hear it scream.«


Zugegebenermaßen ist das hier nicht unbedingt ein Thema über welches es sich leicht schreibt. Es ist eine höchstpersönliche Angelegenheit, über die in der Gesellschaft immer noch lieber geschwiegen wird. Aber ich erachte es dennoch als wichtig darüber zu reden, gerade wenn man die Möglichkeit hat so viele Menschen zu erreichen. Und selbst wenn ich damit nur einer einzigen Person weiterhelfen kann oder euch eine neue Perspektive aufzeigen kann, dann habe ich schon alles erreicht. Damit schließe ich mich nun einigen anderen Bloggerinnen vor mir an, die über ihre Erfahrungen und ihre Sichtweise dazu bereits geschrieben haben. Seit zwei Wochen bin ich nun endlich pillenfrei und nie wieder würde ich mir und meinem Körper das alles nochmal zumuten.


Der Anfang

Damals als ich mit 15 Jahren meinen ersten Freund hatte, entschieden wir uns gemeinsam für die Pille. Beziehungsweise es war gar keine Abwägung für oder gegen etwas, sondern es wurde uns als einzige sinnvolle Option dargestellt. Was völlig falsch ist und mich im Nachhinein auch sehr entsetzt. Einen so jungen Körper derart hormonell zu beeinflussen erachte ich als extrem fahrlässig. Da ich mich jedoch zu diesem Zeitpunkt schon mit mehr oder weniger starken Schmerzen während meiner Tage gequält habe, hoffte ich natürlich diese würden sich bessern. Dem war leider nicht so. Jahre später entschlossen sich mein Exfreund und ich  - nachdem wir schon einige Jahre zusammen waren - dazu, dass ich die Pille absetze. Es war damals schon die beste Entscheidung. Glücklicherweise hat sich alles recht schnell wieder eingependelt, nur die Schmerzen nahmen von Jahr zu Jahr zu, bis ich irgendwann tatsächlich mal vor Schmerzen umgekippt bin. Die Schulmedizin wird leider all diesen Problemen nichtmal annäherungsweise gerecht. Es werden nur Symptome behandelt anstatt Ursachen.
Wenn überhaupt.

Als absolute Verzweiflungstat ließ ich mir mit 22 erneut die Pille aufschwatzen (anders kann man das wirklich nicht nennen) und bekam eine Pille, die komplett durchgenommen wird. Keine Regel, keine Schmerzen - so der Gedanke. Im Nachhinein macht es mich absolut wütend und verständnislos. Was dann kam war der Horror. Mich plagte entsetzlichste Übelkeit von morgens bis abends, extrem depressive Verstimmungen, die Kopfschmerzen nahmen um das doppelte zu und meine Haut war komplett entzündet. Ich sah schlimmer aus als jemals in meiner ganzen Pubertät zuvor. Dass man dann irgendwann in ein emotionales Loch fällt ist klar. Ich war völlig verzweifelt, traurig und hab das ganze Leben nicht mehr verstanden. Noch weniger verstanden habe ich, dass dies alles tatsächlich an der Pille liegt.


Die Krankheit Endometriose 

Eines Freitagmorgens, eine Woche nach meinem Geburtstag, landete ich 2016 in der Notaufnahme. Mit Bauchschmerzen die ich mir niemals hätte vorstellen können. Ich konnte weder stehen, sitzen, noch liegen. Ich war kreidebleich und dachte jetzt ist alles vorbei. Ein paar Stunden später lag ich im OP. Verdacht auf eine akute Blinddarmentzündung. Das hätte binnen 30 Minuten erledigt sein sollen. Als ich jedoch erst zwei Stunden später im Aufwachraum lag, kam es mir etwas komisch vor. Die unerträglichen Schmerzen machten mich ebenfalls stutzig. Ich hatte gehofft zwei Tage später wieder nach Hause zu dürfen. Am nächsten Tag kam eine Oberärztin und erklärte mir, dass die OP wesentlich länger gedauert hatte und ich neben einer Blinddarmentzündung auch Endometriose hätte. Dann machte sie auf dem Absatz kehrt und ließ eine völlig sprachlose Patientin zurück. Als ich begriff was das für mich bedeutet, liefen mir nur noch die Tränen herunter. Selbst noch als ich nach Stunden Besuch bekam. Ich fühlte mich im Stich gelassen, all die Jahre nicht ernst genommen, alleine und hilflos. 

Falls ihr Endometriose nicht kennt, habe ich HIER bereits darüber geschrieben. Dabei handelt es sich um eine unheilbare Krankheit bei der Gebärmutterschleimhaut an anderen Stellen des Körpers, zum Beispiel im Becken, auf der Blase und dem Darm wächst und alle hormonellen Situationen mitmacht. Das bedeutet, dass diese während der Regel innere Blutungen verursachen. Da das Blut sich im Bauchraum ansammelt, enzündet sich ständig alles und es kommt zur Bildung von Vernarbungen, Zysten und Organschäden. Ich denke ich brauche hier nicht zu erwähnen, was für Höllenschmerzen das sind. 

Um all das "in Schach zu halten", sollte ich weiterhin die Pille durchnehmen, damit den Endometriose Herden die Hormone entzogen werden und diese zur Ruhe kommen können. Diese schulmedizinische Idee ist jedoch des Öfteren schon widerlegt worden.


Mein Umdenken

Dass ich die Pille nicht als gut erachte dürfte aus dem bisherigen Text erkenntlich sein. Jedoch fühlte ich mich durch die Endometriose und die eindringliche Bitte meiner Ärzte dazu gezwungen sie weiter zu nehmen. Zu groß war die Angst vor einem Rückfall, zu groß war die Angst vor den Schmerzen. Doch zunehmend war ich nicht mehr bereit all die Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen. Zu akzeptieren, dass ich im Training stagniere und meine Hormone alles andere als im Gleichgewicht sind. Ich fühlte mich gewissermaßen auch meiner Weiblichkeit beraubt. Kurz gesagt: ich fühlte mich kein bisschen mehr Wohl in meinem Körper. Der Plan stand also, ich werde die Pille absetzen. Eine Woche davor bekam ich Schmerzen im Bein, so schlimm dass mich meine Hausärztin (Gott sei dank!) sofort ins Krankenhaus schickte. So wie es aussieht, hatte ich eine Thrombose in der rechten Wade, die zum Glück sehr früh erkannt und erfolgreich behandelt wurde. Was ich damit sagen will: seit euch dessen bewusst was ihr euch und eurem Körper antut. Ihr seid nicht verrückt, sondern die Pille hat einfach eine unfassbar große Liste an Nebenwirkungen. Und es kann jeden treffen. Ich finde es mehr als erschreckend wie locker die Ärzte und die Pharmakonzerne mit dem Thema Pille umgehen. Das hier ist KEIN Lifestyleprodukt. Es ist und bleibt ein Medikament. Und hat für mich auch nichts im Körper einer 12 oder 13 - Jährigen oder sonst irgendeiner Frau zu suchen. Genauso wenig wie all die anderen Hormone, sei es die Mirena Spirale oder zum Beispiel der Nuvaring. Außer ihr wollt euren Körper freiwillig mit Toxinen belasten.


Die ersten Wochen

Vermutlich weil ich mich so lange mit dem Thema befasst habe, war ich unfassbar erleichtert als die App sich um 12 Uhr mittags meldete und ich getrost auf die Pille verzichten konnte. Ich war erleichtert, auch wenn ich nach wie vor Respekt vor möglichen Schmerzen habe. Bereits in der ersten Woche merkte ich nach all den Jahren ein leichtes Ziehen im Unterbauch. Keine Schmerzen, aber eben das Bewusstsein, dass mein Körper endlich wieder zu funktionieren beginnt. Ich habe das Gefühl wieder bei mir und meinem Körper angekommen zu sein. Ich fühle mich wohl. Ich habe keine schlechte Laune und erst recht keine depressiven Verstimmungen mehr. Dafür merke ich im Moment noch dass ich plötzlich gegen Abend total emotional und nah am Wasser gebaut bin. Exakt eine Woche danach bekam ich nun die ersten Hautunreinheiten, was irgendwie vorherzusehen war, wenn es zu einem Drop im Hormonlevel kommt. Mein früheres Ich wäre mit einhundertprozentiger Sicherheit durchgedreht und verzweifelt. Klar, es ist blöd mit fast 24 wieder unreine Haut zu haben, aber erstens hält es sich in Grenzen und zweitens bin ich mir bewusst was mein Körper da jetzt leistet. Ich bin dankbar dafür, was mein Körper schon alles ertragen und überstanden hat. Und ich liebe ihn trotzdem. Was andere denken ist mir egal. Das Leben ist kein Wunschkonzert und wir sollten uns so lieben lernen wie wir sind. Trotz allem. 


Die fünf besten Gründe für ein hormonfreies Leben:


1. Du wirst gesünder leben und ausgeglichener sein
2. Du wirst dich wieder richtig frei fühlen
3. Du spürst deinen Körper und deinen gesamten richtigen Zyklus wieder
4. Du wirst die Wassereinlagerungen und alle anderen Nebenwirkungen los
5. Du wirst wieder mehr Lust haben :)




Kommentare:

  1. Hi Anna,

    du hast definitiv die richtige Entscheidung getroffen, auch trotz der Endometriose.
    Ich weiß wie viel Mut das erfordert, denn ich habe das bereits letztes Jahr hinter mir und kann deine Sichtweise zu 100% nachvollziehen.
    Chapeau für einen so ehrlichen und aufrichtigen Post, das hätte sich bestimmt nicht jeder getraut.

    Liebe Grüße, Lena

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    1. Hey Lena,

      vielen Dank für deine Nachricht. Ich bin wirklich sehr froh über meine Entscheidung, denn es geht mir gerade so gut wie schon lange nicht mehr. Es ist ziemlich erstaunlich wie viele exakt die gleichen Nebenwirkungen hatten und man plötzlich gar nicht mehr so alleine damit da steht.

      Leicht ist sowas nie, aber das bisherige Feedback, vor allem auch auf Instagram, war echt Wahnsinn und wenn ich damit nur einer geholfen habe, war es das mehr als wert.

      Ich drück dich meine Süße ♥

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