Take note of the smaller things - they tend to mean the most.

Sonntag, 4. Oktober 2015

SUNDAY THOUGHTS | Eine ganze Generation streckt ihre Ellenbogen aus und vergisst dabei ihr Herz




23 Uhr. Irgendwann im September. Ich sitze hier und frage mich, was eigentlich im letzten Jahr alles so schrecklich schief gelaufen ist.

Eigentlich habe ich keinen Anspruch darauf werden die meisten sagen. Aber zur Beruhigung: Nein - auch bei mir läuft nicht immer als so rund wie es manchmal den Anschein haben mag.

Natürlich teilen wir Blogger vorzugsweise die schönen Dinge und jammern nicht gleich rum nur weil ein Auftrag geplatzt ist, die Liebe zerbrochen ist oder das neue Kleid von Asos nicht passt. Wer macht das heutzutage noch?

Wir sind eine Gesellschaft in der ein Like mehr bedeutet als nur ein "habe ich zur Kenntnis genommen". Wir sind eine Gesellschaft in der Likes plötzlich zu Währungen wurden und man Aufträge nur noch ab einer bestimmten Followerzahl erhält. Ich finde grundsätzlich nichts Schlechtes daran, denn irgendwie muss man ja aussortieren um potenzielle Kooperatiosnpartner zu finden.

Aber man muss sich sein Herz bewahren und nicht blind für alles werden. Doch genau das tun die meisten leider, wie ich den letzten Wochen wieder feststellen musste.
Sie werden blind. Blind für Freundlichkeit. Blind für Teamwork. Blind für Authenzität.


 Alles was zählt ist Schönheit. Perfektionismus. Ein Magazin-taugliches Leben, welches in nebeneinander gereihte schwarz-weiß farbene Quadrate passt.



Sorry, mein Leben passt nicht in perfekt inszenierte schwarz-weiß farbene Instagram-Quadrate.
Mein Leben ist kunterbunt.
Und das ist gut so! Zum Glück gibt es auch noch genügend zauberhafte Menschen, die sich ihre Authenzität, eigene Meinung und ihr wunderschönes Herz behalten haben.

Doch nicht nur im Blogger-Business werden immer mehr die Ellenbogen ausgefahren, sondern natürlich auch in anderen Jobs.

Im Grunde genommen sind wir nichts anderes als Streber. Tagtäglich werden immense Erwartungen an uns gestellt und das wirklich letzte was wir wollen, ist diese Erwartungen zu enttäuschen. Wir sind 24h erreichbar, leistungsbereit, flexibel und vor allem immer zuverlässig. Hinter all diesen Beschreibungen stehen im Grunde genommen keine Werte, es sind alles vollkommen leere Eigenschaften, die uns lediglich bestätigen, dass wir eine ungeheure Angst davor haben nicht den Erwartungen der Anderen an uns gerecht zu werden.


Wir haben Angst zu versagen.  

 

Angst, dass jemand anderes den ersehnten Job bekommt. Angst, dass wir ersetzbar sind. Angst, dass wir irgendwann in der Masse untergehen. Dabei geht es aber in jedem Moment nur um uns selbst. Es geht um unsere Selbstoptimierung. Zu selten fragen wir uns ob eine Option politisch korrekt ist. Viel zu oft fragen wir uns was diese Option für uns selbst bringt.

Solidarität ist in unserer Generation ziemlich out. Viele glauben nicht mehr daran Projekte gemeinsam schaffen zu können oder die Probleme und Sorgen gemeinsam besser bewältigen zu können. Viel öfter heißt es "Ach, ich schaffe das schon irgendwie alleine."
Für Leute meiner Generation sind die Ellenbogen alte Bekannte. Um die hat es sich irgendwie schon immer gedreht. Wir sollten uns nur fragen ob wir tatsächlich in solch einer Gesellschaft leben wollen?
Ich  will niemandem das Mitgefühl und den Verstand hier absprechen, aber eventuell haben wir in unseren Leben einfach viel zu früh begriffen, dass diese Welt nicht fair ist.
Überall lauert der Wettbewerb und irgendwann haben wir uns damit arrangiert. Entweder wir akzeptieren ihn, wir resignieren oder fallen später in die vollkommene Depression.
Über gleiche Chancen für Alle brauchen wir hier nicht sprechen. Solange die Chancen für einen selbst gut genug sind, ist alles nur halb so wild.



Ich finde es ist kühl geworden in unserer Gesellschaft. 



Alles gleicht einem Leben für den perfekten Lebenslauf. Ich breche da aus und es ist mir egal.  Klar, mein Lebenslauf liest sich zugegebenermaßen auch nicht unbedingt schlecht, aber ich werde für irgendeine vollkommen unterbezahlte Praktikumsstelle nicht mein Wissen verkaufen.

Was wir brauchen ist mehr Mut. Mehr Mut um unseren eigenen Wert in dieser Welt wieder zu finden. Mut um sich selbst wert zu schätzen. Mut sich nicht unter Wert zu verkaufen. Mut etwas zu wagen... trotz der Angst ohne alles dazustehen, nur weil ein Konkurrent dieses Angebot ohne mit der Wimper zu zucken annimmt.

Aber es gibt Außnahmen. Und zu dieser Außnahme möchte ich mich dieses Jahr dazuzählen.
Das Streben nach Perfektionismus kann sich wirklich lohnen. Und es kann glücklich machen. So richtig glücklich. Manchmal muss man das loslassen was einen runterzieht, um wieder fliegen zu lernen.


Mach kaputt, was dich kaputt macht.
Es erfordert so viel Mut auch mal Nein zu sagen. Nein, ich gehe.
Aber das hat nichts mit Aufgeben zu tun.
Manchmal weiß man einfach wann man genug hat.





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