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Samstag, 17. August 2013

10°C und es wird immer kälter


Während unsere Familien daheim in der Sonne sitzen und dabei  "36°C und es wird immer heißer" im Radio hören, rennen die Temperaturen bei uns auf der Zielgerade gen Nulllinie.
Klar - wir sind in Island. Aber es ist doch erst August.
Nach langem rätseln ob das hier immer so ist, wurde uns von einem Gästehausbesitzer versichert, das solch sibirsche Temperaturen, gepaart mit eiskaltem Wind, sonst eher typisch für Oktober sind. Willkommen in Island.
Hier macht das Wetter eben wonach es ihm gerade ist.
Noch nie war ich so dankbar auf der Reise, Pullis, Mützen, Handschuhe und Socken gekauft zu haben!
Gut eingepackt machten wir uns eine erlebnisreiche Woche, voller neuer Eindrücke.
Der Süden hatte da noch einige Schmuckstücke zu bieten.
 



Der Süden ist wirklich die schönste Gegend in ganz Island. Wer also nicht so viel Zeit einplant um die Insel zu erkunden, dem empfehle ich wenigstens den Süden näher zu bereisen.



 Wir wollten es dabei allerdings nicht belassen und so führte uns der Weg weiter Richtung Osten - wo es leider absolut nichts zu sehen gab. So kamen uns die Straßen plötzlich unendlich lang vor. Die zunehmenden Schotterwege halfen uns dabei auch nicht weiter.



Im Norden gab es dann schon mehr zu erkunden... Vorausgesetzt das Wetter hätte mitgespielt. Je weiter wir fuhren, desto kälter, stürmischer und vor allem regnerischer wurde es. Da halfen selbst die Regenjacken nichts mehr.
Wir ließen uns die Laune aber nicht verderben und versuchten alles noch Mögliche zu besuchen.
Besonders zu empfehlen ist die eigenartige Landschaft rund um Mývatn. Überall dampft und brodelt es in der Erde. Alles scheint unter einem zu kochen. Die Erde ist vom Schwefel gelb verfärbt. Man kommt sich vor als sei man auf einem anderen Planeten gelandet :-)
Die Bewohner machen sich hier den Dampf aus dem Boden allerdings zu Nutze, indem sie mit Hilfe von Turbinen, den Dampf zur Elektrizitätserzeugung nutzen. Sehr vorbildlich diese Isländer.



Unsere Herberge für die nächsten Tage sollte das Gästehaus Gardur (in der Nähe von Húsavík) sein, welches ich von einer Islanderfahrenen Freundin, empfohlen bekommen habe. Wir haben im Sommerhaus genächtigt und teilten uns Küche und Bad mit einem netten, älteren Ehepaar aus der französischen Schweiz und einem deutschen Papa mit seiner kleinen Tochter. Es entstanden interessante Gespräche, auch wenn man sich hin und wieder mit Füßen und Händen verständigen musste.
Mein Liebster hatte eigentlich eine Whale Whatching Tour gebucht, diese wurde allerdings wegen des schlechten Wetters abgesagt. Mich hatte es ohnehin nicht gereizt. Wale hin oder her, aber die meisten verbringen die Schifffahrt damit, sich bei dem hohen Wellengang zu übergeben. Da lehne ich lieber dankend ab.
So kam es, dass Philip sich entschloss, mit mir ausreiten zu gehen. Damit hatte überhaupt nicht gerechnet und umso mehr hat es mich gefreut. Ich selbst reite schon von klein auf, bin allerdings noch nie ein Islandpony geritten und damit auch noch nie getöltet (Islandponys haben zwei Gangarten mehr als andere Pferde).
Das Wetter war bitterkalt und so ritten wir zwei Stunden - gut eingepackt in zwei Hosen, zwei Shirts, zwei Pullis und einer Regenjacke - durch die Landschaft Islands. Philip hatte leider nicht den Rennwagen unter den Ponys gemietet und so mühte er sich ab es  zu überreden, doch noch einen Schritt zu gehen. Das tat mir furchtbar leid. Ich wollte nicht, dass er so einen Eindruck vom Reiten bekommt, aber nun gut... Vielleicht gibt er mir eines Tages noch eine Chance auf einem richtigen Pferd  ♥
Er hat sich dennoch ausgesprochen tapfer geschlagen und ist sogar mit uns getöltet. Ich bin wirklich stolz auf ihn :-)
Als Belohnung ließen wir es uns in einem Thermalbad - ähnlich wie die Blaue Lagune - gut gehen und hatten auch ein besseres Erlebnis als damals. Von daher könnt ihr getrost auf die Blaue Lagune verzichten und euch lieber hier im Norden einen entspannten Tag im blauen Wasser machen.




Die übrigen Tage verbrachten wir damit, die restliche Strecke bis nach Reykjavik zurückzulegen. Für die Westfjorde hatten wir weder das passende Auto noch die Zeit. Das kommt beim nächsten Islandbesuch an die Reihe.


 Ich kann guten Gewissens sagen, dass ich hier irgendwie das Paradies auf Erden gefunden habe. Solch eine unberührte, wunderschöne Natur habe ich sonst nirgends gefunden.
Klar - wie immer hat alles seine Vor- und Nachteile. Man ist nunmal oft ab vom Schuss und Supermärkte sind eben auch nur alle 100km. Aber irgendwie kommt man immer zurecht wenn man bereit dazu ist Kompromisse einzugehen. Die Sache mit den Unterkünften war einfach schwierig. Die Nachfrage ist viel größer als das Angebot und dennoch gibt es viele Gästehäuser/Hotels, die extrem heruntergekommen sind.
Das ist hier defintiv eine Marktlücke.
So bezahlten wir einmal über 180€ für ein eher schlechtes "Hotel". Eigentlich waren es Holzhütten inklusive durchschnittlichem Frühstück. Man erinnere sich an unseren Reinfall in Kanada.
Aber solche Erfahrungen gehören oftmals dazu.
Ich würde dennoch jederzeit wieder zurückkehren. Island hat einfach so viel spektakuläres zu bieten.
Positiv zu bewerten ist auf alle Fälle die Tatsache, dass hier all die schönen Sehenswürdigkeiten auf die Insel komprimiert sind und man pro Tag keine großartigen Strecken zurücklegen muss, um etwas schönes zu sehen. In Kanada war das anders. Dort brauchte man über 300km um von einem schönen Wasserfall an den nächsten schönen See zu gelangen.

Ich hoffe ich konnte Dich ein bisschen mit dem Island-Fieber infizieren und wer weiß? Vielleicht stehst Du ja nächstes Jahr an gleicher Stelle.
Wir blicken mit einem weinenden und einem lachenden Auge auf unsere lange Weltreise zurück, denn morgen treten wir unseren Heimflug Richtung Deutschland an.

Alles Liebe auch weiterhin wünscht Dir,
deine Anna ♥




Meine Top 5 Island-Rundreise:
1.Seljalandsfoss
2.Golden Circle (Gulfoss, Geysir und Erdspalte)
3. Vik i Myrdal im Süden (schwarze Strände & Felsformationen)
4. Das Gebiet um den See Mývatn
5.Gästehaus Gardur



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